Geschichte
Von Pretzien in die Welt: Ein Wehr schreibt Geschichte
Zwischen Tradition, Technik und Natur liegt ein wahres Meisterstück deutscher Ingenieurskunst: das Pretziener Wehr. Seit 1875 schützt es mit beeindruckender Zuverlässigkeit Mensch, Landschaft und Städte entlang der Elbe – und das bis heute mit ungebrochener Wirksamkeit.
Die Elbe ist ein Fluss mit stark schwankendem Wasserstand. Mal führt sie wenig Wasser und behindert die Schifffahrt, mal tritt sie über die Ufer und verursacht schwere Überschwemmungen – besonders in der flachen Gegend bei Magdeburg, Schönebeck und Pretzien.
Schon seit dem Mittelalter versuchten die Menschen, sich mit Deichen und Entwässerungssystemen zu schützen. Doch trotz aller Bemühungen kam es immer wieder zu schweren Hochwassern, wie 1845, 1862 und 1865. Die Schäden waren groß, viele Menschen verloren ihre Häuser oder ihr Leben.
Um das zu ändern, schlug der preußische Ingenieur Hermann Wurffbain 1865 ein besonderes Projekt vor: Ein Umflutkanal mit einem Wehr bei Pretzien, das bei Hochwasser geöffnet werden sollte, um die Elbe zu entlasten. 1869 begann der Bau, 1875 wurde das Pretziener Wehr in Betrieb genommen – eine technische Weltneuheit.




Das Wehr bestand aus beweglichen Elementen (so genannten Schützen), die per Hand gehoben werden konnten – sogar bei Eisgang. Doch beim ersten großen Winterhochwasser 1876 zeigte sich: Das System war noch nicht ausgereift. Eis blockierte die Mechanik, Teile des Wehrs wurden beschädigt. In der Folge wurde die Technik weiterentwickelt, unter anderem durch eine neuartige Ausklinkvorrichtung, die weltweit Beachtung fand.
Seitdem wurde das Wehr mehrfach repariert, aber nie grundlegend verändert. Es funktioniert bis heute zuverlässig und wurde zuletzt im Winter 2023/24 geöffnet – insgesamt schon 65 Mal seit 1875. Damit leistet das Pretziener Wehr bis heute einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz in der Region.